Sicherlich kennst du diese Stimme auch in dir, die sich meldet, wenn etwas nicht so läuft, wie du es dir gewünscht hast. Manchmal ist sie leise und kaum wahrnehmbar. Manchmal aber auch sehr deutlich: „Das war nicht gut genug!“ – „Warum hast du das schon wieder so gemacht?“ – „Das hättest du besser wissen müssen!“

Diese*r innere Kritiker*in kann sehr hart sein. Du wirst bewertet, mit anderen und deren Leistungen verglichen, infrage gestellt, wirst klein gemacht. Das fühlt sich alles andere als gut an, oder? Viele Menschen wünschen sich deshalb, diese wenig konstruktive innere Stimme endlich loszuwerden, um nicht den Eindruck zu haben, nicht zu genügen mit dem, was man zu geben hat.

Warum diese Stimme nicht einfach verschwindet

So verständlich dieser Wunsch ist – die*der Kritiker*in verschwindet nicht einfach. Denn sie ist ein Mitglied deines Inneren Dorfes mit ihrer eigenen Geschichte und einer wichtigen Funktion. Es lohnt sich daher sehr, diese*n Dorfbewohner*in näher kennenzulernen.

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Woher die Kritikerin kommt

Die*der innere Kritiker*in entsteht nicht zufällig. Diese*r Dorfbewohner*in entwickelt sich aus Erfahrungen, in denen deine Fehler, Schwächen oder Unzulänglichkeiten negative Konsequenzen für dich hatten. Vielleicht gab es Situationen, in denen du kritisiert wurdest, in denen du dich angepasst hast oder in denen du gelernt hast, dass es sicherer ist, möglichst alles „richtig“ zu machen.

Aus solchen Erfahrungen heraus kann sich eine innere Instanz entwickeln, die eigentlich versucht, dich vor weiteren negativen Erlebnissen zu schützen – nur leider tut sie das auf eine schmerzhafte und destruktive Art und Weise.

In diesem Sinne will die*der Kritiker*in in der Regel etwas Gutes. Sie*er möchte verhindern, dass du aneckst, dass du scheiterst oder dass du abgelehnt wirst. Sie*er will dich auf eventuelle Schwierigkeiten vorbereiten, dich auffordern, etwas noch besser zu machen oder dich absichern. Nur leider passiert das in einer Sprache, die selten freundlich ist.

Was dein innerer Kritiker sagt – und was er vielleicht meint

Vielleicht hörst du innerlich Sätze wie zum Beispiel:

• „Das war nicht gut genug.“
• „Warum hast du das so gemacht?“
• „Du bist nicht vorbereitet genug.“
• „Andere können das viel besser als du.“
• „So kannst du dich nicht zeigen.“

So hart diese Worte auch klingen – oft steckt etwas anderes dahinter:

• Ich möchte, dass du anerkannt wirst.
• Ich möchte dich vor Fehlern schützen.
• Ich möchte nicht, dass du dich blamierst.
• Ich versuche, dich auf Schwierigkeiten vorzubereiten.
• Ich möchte verhindern, dass du abgelehnt wirst.

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Wenn aus Schutz Druck wird

Statt also zum Beispiel zu sagen: „Schau nochmal hin, vielleicht kannst du das noch verbessern“, sagt diese Stimme eher: „Das reicht nicht.“ Statt dich zu unterstützen, setzt sie dich unter Druck.

Und genau darin liegt die Schwierigkeit. Denn auch wenn die Absicht dieses inneren Anteils eigentlich Schutz ist, wirkt er im Erleben oft entmutigend. Das kann dazu führen, dass du zögerst, dich zurückhältst oder Dinge gar nicht erst angehst, aus Angst, es nicht gut genug zu machen. Oder du strengst dich ständig an, ohne jemals wirklich zufrieden mit dir zu sein.

Die Kritikerin verstehen anstatt sie zu bekämpfen

Wenn du beginnst, deine*n innere* Kritiker*in als Teil deines Inneren Dorfes zu betrachten, verändert sich etwas. Du musst sie*ihn nicht mehr bekämpfen oder zum Schweigen bringen.

Stattdessen kannst du anfangen, ihr*ihm zuzuhören, um die eigentliche Botschaft hinter den unfreundlichen Worten zu erkennen: Urteile, Sorgen, Befürchtungen, alte Erfahrungen, usw.

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Ein erster Schritt zu mehr innerer Klarheit

Allein dieses Verstehen kann schon etwas verändern. Die*der innere Kritiker*in verliert ein Stück ihrer*seiner Härte und Macht, wenn sie+er von dir gesehen wird. Und gleichzeitig brauchst du nicht mehr automatisch glauben, was diese Stimme sagt. Und du musst nicht mehr gegen sie ankämpfen.

So wird aus dieser belastenden Stimme nach und nach ein Teil in dir, den du besser einordnen kannst. Einer, der von dir gehört und dessen eigentliche Botschaft berücksichtigt wird, aber nicht die alleinige Führung deiner Handlungen mehr übernimmt.

Forschungsfragen

Vielleicht magst du dir in den nächsten Tagen einmal bewusst Zeit nehmen, der kritischen Stimme in dir bewusst zu lauschen. Nicht, um sie sofort zu verändern, sondern um sie erstmal näher kennenzulernen.

    • In welchen Situationen meldet sich deine innere Kritikerin besonders deutlich?
    • Welche Sätze oder typischen Formulierungen verwendet sie?
    • Wie fühlt sich das in deinem Körper an, wenn sie spricht?
    • Was könnte sie befürchten, wenn sie nicht eingreifen würde?
    • Wovor möchte sie dich möglicherweise schützen?

Und vielleicht kannst du, wenn du wieder mal bemerkst, dass da jemand in dir sehr unfreundlich mit dir spricht, innerlich einen kleinen Schritt zurücktreten und sagen: „Ah, da ist ja wieder mein*e Kritiker*in. Mal hören, was sie*er zu sagen hat.“

Allein dieser Moment des Wahrnehmens kann der Anfang von etwas Neuem sein.

Symbolische Darstellung – KI-generiert

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